سَيِّدُنا الخَضِرُ عَلَيهِ السَّلَام
Unser Meister Al-Khidr, Friede sei
mit ihm
Er ist Balya Sohn des Malkan Sohn des
Falig Sohn des ˆAbir Sohn des Shãlakh Sohn des Qaynan Sohn des Arfakhschad Sohn des Sam.
Dieser Abstammungslinie zufolge wurde er vor der Geburt unseres Meisters Ibrahim,
Friede sei mit ihm, geboren, da Al-Khidr der Cousin von Ibrahims Großvater gewesen
war. Es heißt auch, er sei Al-Khidr Sohn des Ãdams, von dessen Lenden (Ein direkter Sohn). Und es heißt
auch, er sei Khadrun Sohn des Qabil Sohn des Ãdams. Sein Beiname ist Abu al-Abbas.
Er wurde Al-Khidr (der Grünende) genannt, weil er sich auf ein weißes, vegetationsloses Stück
Land setzte, woraufhin dieses bebte und unter ihm grün und üppig wurde. Wo
immer er betete, ergrünte das Land um ihn herum als Zeichen seiner Ehre. Er ist
der langlebigste Mensch überhaupt.
Al-Khidr, Friede sei mit ihm, war ein
edler Prophet, der ein langes Leben führte. Einst lebte er unter den Menschen,
doch dann erschuf Allãh, der Allmächtige, das Wasser für
ihn, als wäre es Land. Noch immer lebt er auf der Wasseroberfläche des Meeres,
allein und abgeschieden, und ist den Blicken der Menschen verborgen. Wenn er an
einen Ort kommt, wird ihn nur eine einzige Person unter den Anwesenden sehen,
wie es in der Geschichte mit Moses, Friede sei mit ihnen beiden, auf dem Schiff
gezeigt wird. Gott verhüllte die Augen der Menschen vor ihm, sodass ihn nur
diejenigen sehen können, die Gott auserwählt hat, wie die größten Heiligen.
Eine der Überlieferungen über den
Grund für das lange Leben unseres Meisters Al-Khidr besagt, dass Ãdam, Friede sei mit ihm, im Sterben lag, seine Söhne
versammelte und sprach: „O meine Söhne, Allãh wird eine Strafe über die Menschen der Erde senden.“ Er teilte ihnen mit, dass eine
Sintflut die Menschheit heimsuchen würde, und wies sie an, in diesem Fall
seinen Leichnam in der Arche mitzunehmen und ihn in einer Höhle nahe dem Land
Syrien zu bestatten, die er für sie bestimmt hatte. Sein Leichnam blieb bei
ihnen, und die Söhne gaben ihn über Generationen weiter. Dieses Gebot wurde von
Generation zu Generation weitergegeben, bis Gott Nuh, Friede sei mit ihm,
sandte. Noch vor der Sintflut nahm Nuh Ãdams Leichnam in der Arche mit, und
die Erde wurde für eine Zeit lang überflutet.
Dann stieg Nuh ins Land
Babylon hinab und wies seine drei Söhne Sam, Ham und Yafeth an,
den Leichnam Ãdams, Friede sei mit ihm, zu der Höhle zu bringen, wo er sie
befohlen hatte, ihn zu begraben. Sie sagten: „Das Land ist wüst; es gibt
niemanden, der uns Gesellschaft leistet, und wir finden den Weg nicht. Lasst
uns warten, bis das Volk wächst und sich vermehrt.“ Nuh sagte zu ihnen:
„Ãdam betete zu Allãh dem Erhabenen, dass er demjenigen,
der ihn begraben würde, ein langes Leben bis zum Tag des Gerichts gewähren
möge.“ Und so blieb Ãdams Leichnam von Generation zu
Generation erhalten, bis Al-Khidr, Friede sei mit ihm, ihn bestattete. Allãh erfüllte sein Versprechen, und Al-Khidr lebt, solange Gott
es will.
Es gibt eine weitere Überlieferung
bezüglich des Grundes für das lange Leben von Al-Khidr, Friede sei mit ihm, die
besagt, dass Dhul-Qarnayn der Große, dessen Name Al-Saˆb Sohn des Al-Harith war, und es wurde auch Al-Saˆb Sohn des Dhi Mara'id genannt, und er war der berühmteste
der Tubbaˆ-Könige, die die Könige des Jemen waren, und er war ein
Muslim aus den rechtschaffenen heiligen Gottes, und unser Meister Al-Khidr,
Friede sei mit ihm, war sein Minister und an der Spitze seines Heeres, und Allãh machte Dhul-Qarnayn zum König über das Gebiet zwischen Ost
und West und gab ihm ein riesiges Königreich.
Und Dhul-Qarnayn hatte einen Freund
unter den Engeln namens Raphael, Friede sei mit ihm, der ihn von Zeit zu Zeit
besuchte. Eines Tages, als sie sich unterhielten, sagte Dhul-Qarnayn zu ihm:
„Sag mir, wie du Gott, den Allmächtigen, im Himmel verehrst.“ Raphael
antwortete: „Im Himmel gibt es Engel, die bis zum Tag der Auferstehung beten
und sagen: ‚Unser Herr, wir haben Dich nicht so verehrt, wie Dir die Verehrung
gebührt‘, in Anerkennung der Erhabenheit Gottes.“ Dhul-Qarnayn weinte, dann sagte
er: „O Raphael, ich sehne mich nach einem langen Leben, um lange im Gehorsam
gegenüber meinem Herrn zu leben.“ Er sagte: „Wünschst du dir das wirklich?“ Er
antwortete: „Ja.“ Da sagte Raphael, Friede sei mit ihm: „Denn Allãh hat eine Wasserquelle, die Quelle des Lebens genannt wird.
Wer einen Schluck davon trinkt, wird so lange leben, wie Allãh es will.“ Da fragte Dhul-Qarnayn: „Weißt du, wo es ist?“ Er
antwortete: „Nein, aber wir sagen im Himmel, dass Gott eine Finsternis auf
Erden hat, die kein Mensch und kein Dschinn je betreten hat, und wir glauben,
dass sich die Quelle in dieser Finsternis befindet.“
So versammelte Dhul-Qarnayn die
Gelehrten der Erde und befragte sie nach dem Quell des Lebens. Sie sagten: „Wir
wissen es nicht.“ Er fragte: „Habt ihr in eurem Wissen gefunden, dass Gott
Dunkelheit besitzt?“ Einer der Gelehrten fragte: „Warum fragst du danach?“ Da
erzählte er es ihm, und sagte dieser Gelehrte: „Ich las in Ãdams Testament von dieser Dunkelheit, und dass sie mit dem
Aufgang der Sonne einsetzt.“ So stellte Dhul-Qarnayn ein Heer auf, dessen
Bannerträger Al-Khidr, Friede sei mit ihm, war, und sie marschierten zwölf
Jahre lang, bis sie an den Rand der Dunkelheit gelangten. Es war keine Nacht,
und es brodelte wie Rauch. Dhul-Qarnayn wählte daraufhin zweitausend Reiter aus
seinem Heer aus, und sie machten sich auf die Suche nach dem Quell des Lebens
in der Dunkelheit.
Dhul-Qarnayn fertigte ihr Banner zu
einem strahlenden Juwel an, damit sie seinem Licht in der Dunkelheit folgen
konnten, wohin es auch führte. Er stellte das Banner an die Spitze ihres
Heeres. Sie marschierten, bis sie ein Tal erreichten, und der Träger des Juwels
stieg hinab. Al-Khidr hielt sich am Ende des Heeres auf und sicherte es. Da er
das Licht des Banners nicht mehr sehen konnte, verlor er den Anschluss an sein
Heer und suchte nach ihnen, ohne in der Dunkelheit etwas zu erkennen.
Schließlich gelangte er an einen Ort, wo er sich am Rande einer Quelle
wiederfand. Er entkleidete sich, und das Wasser war weißer als Milch und süßer
als Honig. Er trank davon, vollzog das Wudu' und wusch sich. Dann ging er
hinaus, zog sich wieder an und kehrte zurück, um seine Gefährten zu suchen.
Diese Quelle war die Quelle des Lebens. Allãh wollte, dass Al-Khidr, Friede sei
mit ihm, sie erreichte. Dhul-Qarnayn hingegen erreichte die Quelle nicht,
sondern verirrte sich in der Dunkelheit.
Dhul-Qarnayn vollzog die Pilgerfahrt
(Hadj) zu Fuß von Jemen nach Mekka, wo er unserem Meister Ibrahim und Ismael, Friede
sei mit ihnen, begegnete. Er umrundete mit ihnen die Kaaba (Tawaf),
brachte Allãh dem Erhabenen Opfer dar, und unser Meister Ibrahim betete
für ihn und gab ihm Anweisungen. Man brachte ihm ein Pferd zum Reiten, doch er
sagte ehrfurchtsvoll: „Ich werde nicht in einem Land reiten, in dem Khalilu_Lah,
Ibrahim, Friede sei mit ihm, weilt.“ Allãh der Allmächtige unterwarf ihm die
Wolken, und unser Meister Ibrahim verkündete ihm die frohe Botschaft davon,
sodass sie ihn trugen, wann immer er es wünschte.
Und es gehörte zu seinen Segnungen,
Friede sei mit ihm, dass Allãh sein Leben verlängerte und ihm
Siege gewährte, bis er Länder eroberte und Städte öffnete und bis in den Osten
und Westen reiste. Wer den Islam annahm, wurde gerettet, wer ihn nicht annahm,
wurde entehrt. Zu den größten Ehren, die Gott ihm zuteilwerden ließ, gehörte,
dass Der Allmächtige ihn die Wegmarken der Erde und ihre Denkmäler lehrte und
ihm das Verständnis verschiedener Sprachen schenkte, sodass er, alle Sprachen
der Völker, die er erobert hatte, sprach.
Zu den Segnungen, die ihm
zuteilwurden, gehörte, dass Allãh ihm Licht und Dunkelheit unterwarf.
So war sein Weg nachts erleuchtet, und Dunkelheit lag hinter ihm. Manchmal, so
Gott wollte, wurde Dunkelheit über jene entfesselt, die den Islam ablehnten und
gegen Dhul-Qarnayn kämpften. Dann drang Dunkelheit in ihre Münder und Häuser
ein und umhüllte sie von allen Seiten, bis sie sich zurückzogen.
Dies geschah, als er eines Tages an
einen Ort im Westen ging, wo die Sonne untergeht. Dort sah er ein Volk, das
ungläubig war, Unrecht tat, Verbrechen beging, Unheil verbreitete und Blut
vergoss. Er drohte ihnen mit schwerer Strafe und sagte, sie würden in glühende
Kupferstiere gesperrt, und nach ihrem Tod würde ihnen am Tag der Auferstehung
eine noch größere Strafe bevorstehen, wenn sie nicht an Gott glaubten. Doch
wenn sie glaubten und rechtschaffene Werke täten, würden sie große Seligkeit im
Paradies erfahren. Und er blieb eine Zeitlang unter ihnen und verbreitete
Rechtleitung und Güte.
Dann beschloss er, vom Westen der
Sonne zu ihrem Osten und ihrem Aufgangsort zu reisen, bis er ein Land
erreichte, in dem es weder Gebäude noch Berge noch Bäume gab. Dort traf er auf
ein Volk mit einem seltsamen Brauch: Wenn die Sonne über ihnen aufging, zogen
sie sich in selbstgegrabene Tunnel zurück, um der sengenden Hitze zu
entfliehen, oder sie tauchten ins Wasser. Bei Sonnenuntergang kamen sie dann
wieder heraus und fischten. Einst kam nachts ein Heer zu ihnen, und sie sagten
zu den Soldaten: Bleibt nicht hier, sonst geht die Sonne über euch auf! Die
Soldaten erwiderten: Wir bleiben hier, bis die Sonne aufgeht. Da kehrten sie um
und fanden viele Knochen. Sie fragten die Leute danach, und diese sagten: Das
sind die Gebeine und Leichen eines Heeres, über dem vor einiger Zeit die Sonne
hier aufging und sie starben. So floh das Heer.
Unser Meister, Dhul-Qarnayn, zog als
Eroberer und Krieger, siegreich und triumphierend, aus, bis er das Land
zwischen den beiden Bergen erreichte, zwei hohen, glatten, einander
gegenüberliegenden Bergen. Zwischen ihnen lebt ein Volk, dessen Sprache kaum bekannt
ist. Sie leben neben einem bösen Volk, dem Volk von Gog und Magog, einem
verdorbenen, irregeleiteten und trügerischen Volk auf Erden.
Als die Bewohner des Gebiets zwischen
den beiden Bergen sahen, dass Dhul-Qarnayn ein starker, mächtiger und
entschlossener König mit großer Autorität und vielen Anhängern war, wandten sie
sich an ihn und baten ihn, einen Damm zwischen sich und ihren Nachbarn, Gog und
Magog, zu errichten, um ihre Ländereien zu trennen und ihre Angriffe zu
verhindern, unter der Bedingung, dass sie ihm seinen Lohn zahlten. Dhul-Qarnayn
sagte voller Reinheit und Rechtschaffenheit: „Was mein Herr mir ermöglicht
und mir vom Königreich gegeben hat, ist besser für mich als das, was ihr mir
anbietet. Doch helft mir mit eurer Arbeitskraft und euren Bauwerkzeugen,
den Damm zu errichten.“
So brachten sie ihm, wie er es
gewünscht hatte, riesige Eisenstücke. Jedes Stück wog mindestens ein Zentner (100
Kg). Er stapelte sie zwischen den beiden Bergen übereinander, vom Fundament
aus, bis er die Gipfel erreichte. Dann umgab er die Eisenstücke mit Kohle und
Holz und zündete sie an. Er befahl, sie mit Blasebälgen anzuheizen, bis sie
glühend heiß waren. Anschließend brachte er geschmolzenes Kupfer mit Blei und
goss es über die Eisenstücke. So verbanden sie sich, wurden fest und verklebten
miteinander, bis sie einen sehr dicken, glatten und hoch aufragenden Damm
bildeten, der eine Höhe von zweihundertfünfzig Ellen (etwa 120 bis 125 Meter)
erreichte und schwer zu erklimmen war, da er keine Vorsprünge oder Löcher
aufwies und somit schwer zu durchbrechen war.
Als Dhul-Qarnayn mit Gottes Hilfe und
Führung der Damm errichtete, sagte er: „Dies ist eine Gnade meines Herrn.
Doch wenn sich das Versprechen meines Herrn erfüllt, wird Er den Damm dem
Erdboden gleichmachen, und das Versprechen meines Herrn ist wahr.“ Das Volk
von Gog und Magog wurde dahinter eingeschlossen. Der Gesandte Gottes, Friede
und Segen seien auf ihm, teilte uns mit, dass keiner von ihnen sterben würde,
bevor er tausend oder mehr Nachkommen gezeugt hätte. Ihre Zahl würde vor ihrem
Erscheinen so groß werden. Und am Tag der Auferstehung wird die Zahl der
Menschen im Vergleich zu Gog und Magog etwa eins zu hundert betragen.
Es ist nicht bewiesen, dass Gog und
Magog lange Ohren haben, dass sie auf einem schlafen und sich mit dem anderen
zudecken und dass sie kleinwüchsig sind. Sie versuchen jeden Tag, den Damm zu
durchbrechen, aber es gelingt ihnen nicht. Nach langer Arbeit und Mühe sagen
sie: „Morgen schaffen wir es.“ Doch am nächsten Tag kehren sie zurück und
stellen fest, dass das, was sie geöffnet hatten, wieder verstopft ist. So
arbeiten sie jeden Tag weiter, bis sie sagen: „Morgen schaffen wir es, so Gott
will.“ Doch am darauffolgenden Tag kehren sie zurück und stellen fest, dass
alles, was sie begonnen haben, unverändert geblieben ist. So graben sie weiter,
bis sie endlich herauskommen.
Ihr Erscheinen wird eines der größten
Zeichen des Tages der Auferstehung sein, möge Allãh uns vor seinen Schrecken bewahren.
Dhul-Qarnayn lebte Hunderte von Jahren, man sagt, er sei zweitausend Jahre alt
geworden, bis Gott der Allmächtige ihn sterben ließ. Er hatte sich, möge Allãh mit ihm zufrieden sein, für sein Jenseits mit Frömmigkeit
und rechtschaffenen Taten vorgesorgt.
Unser letztes Bittgebet lautet: Alles
Lob gebührt Allãh, dem Herrn der Welten, und Friede
und Segen seien auf unserem Meister Muhammad.
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